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Scham - Schuld - Sucht \
jenseits von Krankheit
jenseits von Krankheit
"Die nosologische Atopie der Sucht imponiert; sie ist nicht von ungefähr, denn Sucht geht über Krankheit hinwiederum indifferenzierend hinaus. Als freie Usurpation des Todes/des Gottes wie aus dem Nichts, wodurch sich dieser Ursprung umso mehr und kulminativ in seine Unmöglichkeit hinein vorbehält, hat diese Krankheitsüberbietung es ja auch an sich, die üblichen Krankheitsätiologien zunichte zu machen - man wird immer auf das skandalöse Phänomen stoßen, daß es ursächlich organologisch, familial-lebensgeschichtlich etc. fast nichts bis nichts zu recherchieren gibt; Ödipalisierung nicht irgend vorgegeben, vielmehr aus dem Boden gestampft durch diese allmächtige Lächerlichkeit der ganzen haecceitas der Droge selber. Und der exklusive Alltelosort kann nicht nicht die Konsumtion sein; als Zusammenzug aller Seinsdimensionen die Kontradiktion von Gebrauch und Gebrauchsverweigerung und immer zugleich die Aufhebung des Anderen mit, der Intersubjektivität hinwiederum als Kontradiktion fusionierter reiner Monaden; kurzum die Kontradiktion von Freiheit und Abhängigkeit."
Sucht; in: Pathognostische Studien II, 160
 
 
 
Verweise
 
Sucht
Sucht ist Sehnsucht nach Aufhebung der Differenzen – des Mangels, der Trennung, des Hungers –, Einswerden mit den Objekten des Begehrens (nicht nur der Nahrung).
Sucht ist eine erotische Besetzung des Todes, der Todesverfallenheit des menschlichen Körpers, ein masochistischer Genuss der Sterblichkeit, verbunden mit der Verheißung der Entschuldung.
Scham - Schuld - Sucht