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Passagen zu: Musik

"Wir glauben unterdessen, wenigstens dies schon psychoanalytisch von der Musik zu wissen: daß sie regressiv-akustisch vor dem vollen Anblick des Vater-Dritten ausweicht, bis in die Lautumhülltheit des Mutterleibes flieht, aber doch mittels des dorthin durchaus mitgenommenen unentbundenen Vater-Dritten aktivste mimesis an alle Mutterlaute in eigener Regie leistet. Es ist, wie man meinen könnte, eine mildere Form von Inzest, identisch außerdem ... ⇒ [mehr]

"Musik und Gewalt - die Orpheusmythe gibt den zwingendsten Aufschluss darüber: Musik, sie ist künstlerisch erstgeborene Ausgeburt des »Todestriebs«, will sagen: Sie nährt sich vom Phantasma, ja vom Wahn der Zeitdisposition, provoziert durch den nicht selbsterfahrbaren, bloß außen vorgestellten Tod, durch das Sterblichkeitstrauma." ... ⇒ [mehr]

"Musik, eben als sogenannte »Zeitkunst« beansprucht, von sich aus als sie selbst,eo ipso, Verfügung über Zeit; und dies zwar wie alle Medieneinsätze, sie jedoch ausnehmend dadurch, daß sie, anscheinend unmittelbar, die Zeitverfassung selbst repräsentiere.
Wie ist dieses entscheidende Ansinnen einzuschätzen? Alles spricht dafür, daß wir, Menschen, die Sterblichen, offensichtlich nicht umhin kommen, die Zeit, die uns ja zu einzig ... ⇒ [mehr]

"Die entscheidenden Musik-ausmachenden Gewaltakte - allemal handelt es sich um memoriale Tötungssymbolik - reichen von Lösen: Lockern, bis Auflösen, Auflösen wiederum: Trennen, bis Zerfallen-, Verschwindenmachen, Erlösen schließlich (welch Hintersinn der Erlösung!). Vom Regen des Bildes in die Traufe des Tons? Ja, in diesen Lösungswendungen passiert zwar die Stattgabe von Zeit, doch immer nur in derselben magischen Weise der ... ⇒ [mehr]

"Musik, rationalisierte Verlautung, scheint fortwährend zum Irrtum zu verführen, daß sie das Repräsentationsverhältnis zu Gunsten der befreiten Alterität von Präsenz quittieren könne. - Der einzige Grund dieser seduktiven Kraft liegt im Schein der Nicht-Reflexivität der - ontogenetisch primordialen - Verlautung, der Einheit von Sprechen/Hören (nach Derrida schon das Basis­phantasma der Repräsentation selbst): Orpheus for ever, der die ... ⇒ [mehr]

"»Grausamkeit der Musik« - aus ihrem Wahn der Disposition des schlechter­dings Indisponiblen, der Zeit, des Todes, dadurch, daß sie die zeitliche Sequenzialität selbst zu ihrem Wesensvorwurf hat, ergibt sich, fürs erste, das allgemeine Indiz ihrer Krudelität: nämlich, voll der Suggestion, die Über­windung des Todes zu versprechen, um diese erlösende »promesse du bonheur« instantan zu brechen. Musik, Musik zumal, die künstlerische ... ⇒ [mehr]

"Musik - einziges - scheiterndes, als scheiternd dargestelltes - Reparationsunternehmen, in der Art lamentativer, ultime zu spät gekommener Selbstbezichtigung, die sich, wesensgemäß, zur Verlebendigung des Beklagten übernimmt: Reaktionsbildung der Todesanklage: Totenklage, die sich wiederum mit Totenresurrektion verwechselt, und, am Ende, den (Be)kläger zum Sühneopfer seiner hypokritischen Prätentionen kürt. Denn Mord bleibt Mord, tot tot ... ⇒ [mehr]

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