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Passagen zu: Psychose

"Das Faszinosum der Psychose liegt in der Radikalität des Selbst­befalls von der Blockade des schaffenden Todes, der Todesver­fallenheit als Restform exponiertesten Lebens: substantiell-seinsmäßig (versus präsentative und repräsentative) Erfaßtheit von Ontologie-Hominitäts­mysterium und damit immer verknüpfte Scham­losigkeitsklimax von dessen Entblößung. Intellektuell kulminiert diese Faszination immer dann, wenn die ... ⇒ [mehr]

"Ist die Neurose die anhaftende Repräsentation einer hypertrophen und in sich zur Autarkie umgedrehten Inzestfigur, Ödipus also, immer wieder Ödipus: die mittels des toten Vaters ausgelöschte Mutter als Sohnes-causa-sui, wenn schon eben nicht, wie zwingend verlangt, abgestoßen, »realisiert«, so doch im Modus der Repräsentation durch und durch verworfen: ist die Perversion die anhaftende Präsentation eben desselben, die dies Präsentierte ... ⇒ [mehr]

"Psychose, das ist der uneinnehmbare Dispens des verantwortlichen, schuldkonfessionellen Subjekts (unverantwortlich - im genauen Sinne der Bezeichnung: Antwort verweigernd; Psychose als diese skandalöse Verabschiedung, das vor nichts mehr haltmachende Rasen der Indifferenz, ist zugleich aber nichts anderes als der Revers der Normalität, von Psychose ausschließlich unterschieden durch ihren epi-kalyptischen (versus apo-kalyptischen) Charakter." ... ⇒ [mehr]

"Die Psychopathologien lassen sich nicht weniger, schambezogen, durch das Schema Hülle versus Umhülltes differenzieren. Im Falle der Neurose soll die intime Viskosität mit dem Dingphantasma peremptorisch verhüllt sein, die Haut um das Dingarkanum, die untransparente Epikalypse darf nimmer reißen. Im Falle der Perversionen hingegen ist die Hülle transparent. In ihrer Durchsichtigkeit bildet sie ... ⇒ [mehr]

"Es mag aber gelingen können, einen solchen Begriff von Intellektualität zu tätigen, der in voller Anerkenntnis deren untilg­barer Verschuldung an Psychose (und freilich auch mit unfrei­williger Konzession deren tatsächlicher Dementiumringung nach­gerade) wenigstens seine quasi Selbstgemäßheit erreichte und einnähme. Intellektualität - die hybride Kontamination prozessual von Wissenschaft (dem Verschluß/der Epi-kalypse des göttlichen ... ⇒ [mehr]

"Der Psychotiker nämlich stößt ja - ebenso nothaft wie virtuos - die einfache Ödipalisierung ab, zieht zum Ort des elternlosen Ursprungs der Schuld zurück, verweigert alle Entschuldungs- und Verschließungsangebote, dies freilich unter dem krankmachenden vorgängigen Anspruch, der Disponent der Zivilisationsverheißung des Körpers restlos zu sein. Aber immerhin - Intellektualität folgt der Psychose weltaufschließend bis zu dieser Grenze ... ⇒ [mehr]

"Eben die Spitzenkrankheit Psychose in ihrer skandalösen Resistenz gegen die Ödipalisierung mahnt, und zwar noch auf der Seite der Subjektivität an deren Grenze, die ausgeblendete Objektivität an: Psychose als das vielleicht übriggebliebene, derzeit einzige Monitum der Untergegangenheit des Ödipuskomplexes als Objektivität, kulminierend in den Waffen; dies freilich in der Art von Krankheit, das heißt als Opferverstrickung und -anmaßung ... ⇒ [mehr]

"Die Körpersensationen des Psychotikers sind keine solchen des wahrnehmbaren organischen Körpers - der »corps propre« reicht hier überhaupt nicht aus -, vielmehr solche einer rein imaginären Korporalität, des organlosen Körpers der Dinge selber schon, in den Körper hinein zurück genommen, »introjiziert«. (...) Allemal aber ist der Dingbezug in dieser unerreichbaren Imaginarität am Werke: sie ist das gefühlte Ding als Ding als ... ⇒ [mehr]

"Die Themenzentrale der Psychoanalyse, Psychopathologie, bildet sich aus der Masse der Theorie-an-stößigen pathogenen Disfunktionalitäten im Widerspiel von Indifferenz und Differenz, Inzest und Inzesttabu. Allemal sind es Vermittlungs-, in diesem Sinne also Gedächtnisdefekte, die, in sich hineingetrieben, kurz vor der Todeserfüllung derselben abbiegend, Krankheit definieren. Vielleicht könnten, ... ⇒ [mehr]

"Es gelingt dem Psychotiker nicht, die toten Dinge tot sein zu lassen, und umgekehrt ebensowenig den lebendigen Körper lebendig. Er befürchtet permanent - so drücke ich mich gerne aus - die »Transsubstantiation« derselben. Weshalb? - Weil alles Tote Getötetes sei und also auf Rache lauere; obzwar das Lebendige, der apriorische Verfolger dann, sich als ebenso unaushaltbar gibt. (Pathologisch aber ist dieses Gebaren bloß als nackte ... ⇒ [mehr]

"Die Methode der Dinggnostik besteht eben in intellektueller Psychosen­mimesis, in der sich der Abyssos horrender Transubstantiation, die Begegnung mit Untoten/Wiederkömmern, einstellte, freilich - sonst wäre aller Aufklärungsmehrwert dahin - medial abgelöst, nicht pathologisch involutiv, schuldhaft jedoch immer auch parasitär an dem entsprechenden Pathologieabsturz Psychose. Medial arbeitsentsühnter Aufriß des Dingunbewußten, der Untat ... ⇒ [mehr]

"Die »Seins«-Charaktere der Psychose bestehen in der restlosen Einbehaltung des Repräsentationsultimatums Maschinität, und diese Einbehaltung fungiert als ebenso restlose Rückaneignung derselben. Herabgekommenen Göttern, verschlungen. Die verschlungenen Götter aber reißen - eben wie Nahrung - auf; so daß symptomatisch entscheidend die Positionierung in der »seiend« gemachten Aufzeichnung ist. Psychose: Sein der Aufzeichnung dieses ... ⇒ [mehr]

"Worin besteht nun der eben nicht auf höheres Wissen abzweckende ganz andere psychosenausbildende Vorgang? In der den geistigen Tod - freilich jenseits subjektiver Verantwortung - in Kauf nehmenden Anmaßung, der Usurpation objektiv martialischer Gewaltvorgaben. Da diese selbst jedoch schon todesusurpatorischer Herkunft, definiert sich Psychopathologie, an ihrer Spitze Psychose, als Usurpation einer Usurpation, in der sich ... ⇒ [mehr]

"In den Bildschirmbildern indifferenzieren sich Tiefschlafen und Wachen (ja, Tod und Unsterblichkeit) zur Permanenz des Träumens. Die beiden Enden, die Bewußtlosigkeit der Selbstreferenz des Ge-hörs (Tiefschlaf und mehr) einerseits und die Bewußtlosigkeit der Selbstreferenz des Ge-sichts (Terminus? Die unsterbliche Seele? Wachen-Wachen, dinglos?) andererseits, die (coincidentia oppositorum) zusammenfallen, werden nicht etwa gekappt - wie auch ... ⇒ [mehr]

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